Antrag im Stadtrat: Wir fordern Hitzeschutzoffensive für Ingelheimer Kitas und Schulen
Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat einen Antrag im Stadtrat eingebracht, um die Bildungs- und Betreuungseinrichtungen in Ingelheim massiv an die steigenden Temperaturen anzupassen. Kern des Antrags ist die gezielte Nutzung von Fördermitteln aus dem Bundes-Sondervermögen sowie dem „Rheinland-Pfalz-Plan für Bildung, Klima und Infrastruktur“ in Höhe von insgesamt rund 18,7 Millionen Euro. Die Ingelheimer Grünen fordern, dass mindestens die Hälfte dieser Mittel verbindlich in Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung fließt, um insbesondere vulnerable Gruppen zu schützen.
Investition in die nächste Generation
Im Zentrum der Initiative steht ein fundierter Hitzeschutzplan: Die Verwaltung soll analysieren, welche Kitas und Schulen die höchsten Innentemperaturen aufweisen, um dort priorisiert technische Kühlkonzepte – idealerweise gekoppelt an Photovoltaik-Anlagen – oder „Kühlräume“ zu etablieren. Darüber hinaus sollen Entsiegelungen, Fassadenbegrünungen und Verschattungen der Außenflächen gefördert werden, damit das Lernen und Betreuen auch an Tagen mit starker Hitzeentwicklung oder gar amtlicher Hitzewarnung gesundheitlich weitestgehend unbedenklich möglich bleibt.
Arndt Werner, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat, betont die strategische Bedeutung der Fördermittel: „Wir haben jetzt eine einmalige Chance, durch den Einsatz dieser Sondervermögen eine nachhaltige Weichenstellung für Ingelheim vorzunehmen. Es ist absolut sinnvoll, diese Mittel nicht nur für kurzfristige Reparaturen zu nutzen, sondern sie jetzt konsequent in die Lebensqualität und Gesundheit unserer zukünftigen Generationen zu investieren.“
Gesundheitsschutz als staatliche Pflicht
Die Dringlichkeit ergibt sich aus den bereits spürbaren Folgen der Klimaerhitzung. Laut Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen (BVKJ) gehören Kinder zu den besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen bei Hitze (Gründe: Größere Körperoberfläche im Verhältnis zum Gewicht, verminderte Schweißbildung, fehlendes Durstgefühl und hohe Körperaktivität). Der BVKJ stellt fest, dass überhitzte Klassenräume zu einem deutlichen Abfall der Leistungsfähigkeit führen. Die Grünen in Ingelheim betonen, dass Klimaanpassung daher kein optionales Programm, sondern aktiver Bevölkerungsschutz ist.
Melani Pelaez, Grüne Sprecherin für Klima und Umwelt, erklärt hierzu: „Der Handlungsdruck ist immens. Es geht hier nicht um Komfort, sondern um die Gewährleistung der Schulpflicht und den grundlegenden Gesundheitsschutz unserer Kinder. Wenn Kinder schon vor den Sommerferien und weit in den Herbst hinein zunehmender Hitze in ihren Lernräumen ausgesetzt sind, müssen wir handeln. Wirksamer Hitzeschutz ist kein Luxus und sollte nicht als Kostenfaktor angesehen werden, sondern ein Recht jedes Kindes und eine Investition in die Zukunft aller Kinder.“
Strategische Verzahnung mit dem Klimaschutz
Um eine langfristige Wirkung zu erzielen, soll die Projektliste eng mit der städtischen Klimaanpassungsstrategie verzahnt werden. Sollten durch die Fördermittel zudem städtische Eigenmittel frei werden, fordern die Grünen, diese ebenfalls prioritär in den Hitzeschutz und die energetische Ertüchtigung von Kitas und Schulen zu reinvestieren. Ziel ist ein verbindlicher Mindeststandard für alle städtischen Einrichtungen, um Ingelheim klimafest und zukunftsfähig zu machen.
Jörn Simon, Pressesprecher des Grünen OV Ingelheim
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